Meldungen aus dem Bezirksverband Arnsberg

Abschied auf dem Futa-Pass

Letzter Pflegeeinsatz von Soldaten und Reservisten aus Südwestfalen mit Friedhofsverwalter Michael Caldari

Erhard Lauber

Erndtebrück. Soldaten des Einsatzführungsbereiches 2 aus Erndtebrück, Reservisten der Kreisgruppe Südwestfalen und ein aktiver Kamerad des Bundesamtes für das Personalmanagement der Bundeswehr in Siegburg führten im September 2022 (im „Monat des Kriegsgrabes“) einen Pflegeeinsatz auf dem Futa-Pass in der Toskana durch.

Für den langjährigen Friedhofsverwalter Michael Caldari sollte dieser Arbeitseinsatz der Bundeswehr der letzte sein, bevor er am 30.11.2022 in den wohlverdienten Ruhestand geht. Michael Caldari war seit dem 01.01.1996 Verwalter auf dem Futa-Pass und hatte den Posten von seinem Vater Umberto Caldari übernommen. In den fast 27 Jahren seiner Tätigkeit als Verwalter betreute Caldari ca. 120 Arbeitseinsätze der Bundeswehr. Vier dieser Einsätze (2002, 2011, 2019 und 2022) wurden unter anderem von Soldaten und Reservisten aus Erndtebrück durchgeführt.

Zu den Aufgaben des Verwalters gehörte bis 2005 zudem noch die Betreuung der Jugendbegegnungsstätte des Volksbundes auf dem Futa-Pass, die dann aber geschlossen wurde. Zum Abschluss des Einsatzes überreichte das zehnköpfige Arbeitsteam an ihn eine persönlich gewidmete Schieferplatte aus dem Wittgensteiner Land zur Erinnerung an diesen besonderen Arbeitseinsatz der Bundeswehr.

Der Einsatz stand unter dem Kommando von Stabsfeldwebel Erhard Lauber, selbst aktiver Soldat am Standort Erndtebrück und ehrenamtlicher Geschäftsführer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Wittgensteiner Land. Für Lauber war es der letzte Arbeitseinsatz als aktiver Soldat, denn er geht zum 31.03.2023 in den Ruhestand. Stabsfeldwebel Lauber hat aber bereits angekündigt, auch als Soldat in der Reserve weiterhin Arbeitseinsätze durchführen zu wollen. Insgesamt hat er in seiner aktiven Bundeswehrzeit an 20 Arbeitseinsätzen teilgenommen, von denen er 15 als Kommandoführer leitete.

Die Verwaltung der größten deutschen Kriegsgräberstätte in Italien bleibt in Familienhand. Michael Caldari übergibt das Verwalteramt zum 01.12.2022 an seinen Schwiegersohn Martino Mordini. Die Anlage mit 30.683 Gräbern liegt auf einer Bergkuppe, 40 Kilometer von Florenz entfernt, unmittelbar am Futa-Pass (952 Meter über dem Meeresspiegel). Bis der Volksbund die Kriegstoten ordnungsgemäß geborgen sowie würdevoll bestattet hatte, lagen sie in einem der Feldgräber oder in einem Grab auf den Gemeindefriedhöfen der umliegenden Provinzen Bologna, Florenz, Forli, Lucca, Modena, Pesaro, Pisa, Pistoia, Ravenna und Reggio Emilia. Vielen Hinterbliebenen konnte der Volksbund, nach langen Jahren der Ungewissheit, noch das Schicksal ihres Angehörigen mitteilen. Die Einweihung der Kriegsgräberstätte fand am 28.06.1969 statt.

Zu den Aufgaben der fünf aktiven Soldaten und fünf Reservisten gehörten beim Arbeitseinsatz u.a. Mäharbeiten auf dem Friedhof zur Unterstützung des Pflegedienstes, das Freischneiden und Ausrichten der Grabplatten sowie Renovierungsarbeiten an den Gebäuden auf der Kriegsgräberstätte.

Neben den bereits erwähnten Arbeitseinsätzen von Erndtebrücker Soldaten und Reservisten waren einige Frauen und Männer aus dem Wittgensteiner Land schon wesentlich früher zur Gräberpflege in der Toskana. Junge Menschen aus Wittgenstein reisten im August 1961 zur Pflege von Kriegsgräbern nach Italien. In dieser Gruppe waren neben 39 Sportlern des TuS Erndtebrück noch weitere Wittgensteiner Vereine vertreten: TV Laasphe (3 Teilnehmer), TV Berleburg (3), TV Arfeld (8), TV Schwarzenau (2), TV Feudingen (2) und Mitglieder der Fotogruppe Feudingen (3). Dieser Einsatz erfolgte auf den deutschen Kriegsgräberstätten in der Toskana, die Ende der 1960er Jahre aufgelöst wurden. Die dort Bestatteten wurden auf die Anlage auf dem Futa-Pass umgebettet.

Aus der Heimatregion „Wittgenstein“ fanden Gefallene u.a. aus Birkelbach, Dotzlar, Erndtebrück, Feudingen, Neuastenberg, Wemlighausen und Wunderthausen ihre letzte Ruhestätte auf der Kriegsgräberstätte. Ebenfalls bestattet wurde dort der Gefreite Erwin Sommer, dessen Angehörige nach ihrer Vertreibung aus Schlesien in Girkhausen, dem Heimatort des Kommandoführers Stabsfeldwebel Erhard Lauber dort eine neue Heimat fanden.

Untergebracht waren die fleißigen Helfer des Arbeitseinsatzes in der ehemaligen Jugendbegegnungsstätte auf dem Friedhofsgelände. 2020 wurden hier ein neues Blockhaus als Unterkunft für die Arbeitskommandos der Bundeswehr errichtet sowie die Sanitäranlagen renoviert. Verpflegt und unterstützt wurden die Helfer vom ehemaligen Chef der Erndtebrücker Truppenküche Ludwig Benner, der diesen besonderen Arbeitseinsatz nochmals unterstützen wollte. Der 65-jährige Küchenmeister sorgte mit seinen Speisen für eine sehr gute und reichhaltige Ernährung.

Neben dem Arbeitseinsatz wurde ein Tagesausflug nach Florenz, der Hauptstadt der Toskana unternommen, der für alle Beteiligten ein kultureller und interessanter Höhepunkt war. Seinen Abschluss fand der Einsatz zur Unterstützung des Volksbundes mit einer Kranzniederlegung zum Gedenken an die dort bestatteten Kriegstoten sowie der in Auslandseinsätzen gefallenen Bundeswehrkameraden.

Fotos und Text: Erhard Lauber
 

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